Depressionen

Depressionen werden in den beiden populärsten psychologischen Klassifikationssystemen (ICD-10 und DSM-V) weitgehend ähnlich beschrieben. Nach dem DSM-V müssen für eine Periode von mindestens zwei Wochen fünf von neun aufgeführten Symptomen gegeben sein, wozu notwendigerweise die Symptome "depressive Verstimmung fast den ganzen Tag" und "Verlust von Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten fast den ganzen Tag, beinahe jeden Tag" zählen.

In einer weniger formellen Form findet man genau diese beiden Symptome bereits in der gesamten menschlichen Literaturgeschichte. Als eines von vielen Beispielen sei Juan de la Cruz genannt, welcher diesen Zustand in sehr treffenden Worten als "dunkle Nacht der Seele" folgendermaßen beschrieb: "(It) puts the sensory spiritual appetites to sleep, deadens them, and deprives them of the ability to find pleasure in anything. It binds the imagination, and impedes it from doing any good discursive work. It makes the memory cease, the intellect become dark and unable to understand anything, and hence it causes the will to become arid and constrained, and all the faculties empty and useless. And over this hangs a dense and burdensome cloud, which afflicts the soul, and keeps it withdrawn from the good".

Man könnte noch unzähligere weitere literarische Beispiele für die Verbreitung dieser fundamentalen Schwermut in der Menschheitsgeschichte anführen, aber an dieser Stelle betrachten wir zunächst die weiteren DSM-Kriterien. Neben den zwei Kernsymptomen der Depression werden sieben weitere Kennzeichen identifiziert:

Appetit vermindert oder gesteigert oder deutlicher Gewichtsverlust ohne Diät oder Gewichtszunahme (>5%/Monat).
Schlaflosigkeit oder vermehrter Schlaf.
Durch andere beobachtbare psychomotorische Unruhe oder Verlangsamung.
Müdigkeit oder Energieverlust.
Gefühle von Wertlosigkeit oder unangemessene Schuldgefühle (nicht nur Selbstvorwürfe oder Schuldgefühle wegen der Krankheit).
Verminderte Denk- oder Konzentrationsfähigkeit oder verminderte Entscheidungsfähigkeit.
Wiederkehrende Gedanken an den Tod (nicht nur Angst vor dem Sterben), wiederkehrende Suizidvorstellungen, genaue Planung eines Suizids oder tatsächlicher Suizidversuch.

Wie man beim Durchlesen dieser Stichpunkte bemerkt, sind bei einigen Symptomen gegensätzliche Ausprägungsformen möglich (Appetit, Schlaf, Psychomotorik sowie allgemeines Arousal). Dies verdeutlicht, dass es sich bei Depressionen keineswegs um ein eng umgrenztes, stets relativ gleichartig Syndrom handelt, sondern dass die interindividuelle Varianz (also der Unterschied zwischen verschiedenen Betroffenen) stark ausgeprägt ist. Ebenso kann sich eine Depression auch intraindividuell (also bei der gleichen Person) im Laufe der persönlichen Entwicklung ganz verschieden ausprägen und zeigen.

Obschon depressive Erkrankungen in der modernen westlichen Welt eine historisch einzigartig hohe Inzidenz erreicht haben, fehlt der modernen Wissenschaft nach wie vor ein präzises Verständnis dafür, was Depressionen eigentlich sind und was dabei im Gehirn passiert. Lange Zeit ging man von einem Serotoninmangel aus, zum Teil auch von einem Noradrenalin- oder Dopamin-Defizit. Diese Ansätze werden jedoch mittlerweile sehr kontrovers betrachtet und die medikamentöse Therapie, welche an genau diesen Neurotransmittern ansetzt, kann nach einigen aktuelleren Studienergebnissen nicht positiver eingeschätzt werden als die durch Placebos, insbesondere in Hinblick auf die Langzeitwahrscheinlichkeit von Rezividen.

Wie sich in einer - auch in Hinblick auf Antidepressiva extrem zu empfehlenden - Übersichtsarbeit von Whittaker (http://www.i-p-p-m.de/Whitaker_-_SSRIs_in_society_dtsch.pdf) erkennen lässt, sind die durchschnittlichen Behandlungserfolge für Depressionen allgemein nicht positiv zu bewerten. Tatsächlich ist das Vertrauen auf die Selbstheilungskräfte der Psyche im Falle von Depressionen oft eher anzuraten als so manche fragwürdige Therapiemethode. Gleichwohl reicht dies natürlich nicht bei jedem Betroffenen aus und daher möchte ich Sie gerne dabei unterstützen, Ihre Lebensqualität wiederzugewinnen oder neu zu generieren.

Ich analysiere dabei sehr genau Ihre gegenwärtige sowie vergangene Lebenssituation, um alle Faktoren herauszuarbeiten, die sich depressiogen (also verschlimmernd) oder aber im Sinne einer Verbesserung Ihres Befindens auswirken. Des Weiteren unterstütze ich Sie dabei, für belastende Empfindungen Bewältigungsmaßnahmen oder zumindest einen lebensweltlichen Ausgleich zu finden. Trauerarbeit im Sinne der Aufarbeitung von Vergangenem spielt dabei eine Rolle, aber das Schaffen von Perspektiven in der Gegenwart bildet immer den Hauptschwerpunkt.